Algorithmen - die dümmsten Erfindungen unserer Zeit.


Meine Mutter hatte lange Zeit einmal einen Katalog aus dem man Produkte für „die moderne Hausfrau“ bestellen konnte. Einhundert Seiten voller genialer Errungenschaften, die das Führen des Haushalts erleichtern und praktische Einsatzmöglichkeiten baten. Meist waren die Artikel dann aber alles andere als funktionell und erwiesen sich häufig mehr als „Designerfurz“ als wirklich innovative Ideen.

Ähnlich verhält es sich mit den Algorithmen. Aus meiner Erfahrung sind besagte Verfahren, mit denen Nutzer bekannter Internetriesen eine erleichterte, unterstützte Bedienung deren Angebote ermöglicht werden sollen, vergleichbar mit den rektalen Ausdünstungen deren Programmierer. Beispiel gefällig? Sie haben doch bestimmt Amazon Prime, und das damit verbundene Streaming-Filmangebot. Sollten Sie dieses zum ersten Mal nutzen, rate ich Ihnen dringend sich bei den ersten Filmeabenden nicht auf ein einziges Genre zu beschränken. Denn dann denkt die Prime-„Intelligenz“ sie wären ausschließlich für dieses Filmangebot zu begeistern und schlägt Ihnen fortan auch nur noch diese vor. Jeden Abend begegnen Ihnen dann so Phrasen wie „Für Sie empfohlen“, oder „weil Sie…angesehen haben“. Das ist für eine Weile recht praktisch, wird aber spätestens dann ein Problem, wenn Sie versuchen das Genre zu wechseln, weil sie auch mal was Anderes anschauen wollen. Selbst wenn sie bereit wären einen Film zu kaufen, statt kostenlos zu streamen, die Prime-„Intelligenz“ schlägt Ihnen weder etwas davon vor, noch können Sie auf das Angebot zugreifen.

Selbiges geschieht Ihnen, wenn Sie zu Weihnachten der Tochter ein Einhorn-Plüschtier schenken wollen, und dann besagten Suchbegriff eingeben. Wehe Ihnen Sie kaufen das Produkt, dann können Sie sich statt der danach gesuchten Wanderstiefel künftig nur noch auf glitzer-rosarote Vorschläge gefasst machen. Geschäftsinhaber hätten bei solch geschäftsschädigendem Verhalten von längst eine Abmahnung an Herrn Prime geschrieben.


Viel extremer ist das Ganze jedoch auf den „sozialen“ Netzwerken. Hier steigert sich die geistige Diarrhöe eines Herrn Zuckerberg auf Instagram und seinesgleichen zum Höhepunkt. Es werden nur Beiträge der Benutzer gefördert, und damit den Abonnenten angezeigt, die den Algorithmus korrekt bedienen. Dazu muss man sowohl im Sinne des Geschäftsinteresses des schmächtigen Milliardärs aus den USA seine Beiträge verfassen, als auch die hochkomplexen Zusammenhänge aus Beitrag, Story, Reel, Hashtags, Uploadzeit, Bilddimensionen, Dauer des Videos und/oder bordinterne Verschlimmbesserungsmöglichkeiten beachten, um in der Beliebtheitsskala auch nur annähernd einen Wert zu erreichen, der dem Inhalt des Beitrags entspricht.

Im Grunde wäre das alles nicht so schlimm, wenn nicht mittlerweile das halbe Internetleben von diesen Algorithmen beherrscht wäre. So bekomme ich bei einer bekannten Fernglas-Suchmaschine auch nur die Suchergebnisse auf meine Anfrage, die dessen Betreiber vorschlägt. Für mich persönlich analysiert und individuell zugeschnitten, selbstverständlich.

Auf YouTube analysiert eine künstliche Intelligenz zuerst jedes neue Video auf gewisse Schlagwörter, um ein „friedliches Miteinander“ auf dem Netzwerk zu ermöglichen. Genial. Im Endeffekt bedeutet dies aber, dass manche Videos entweder gar nicht erst zugelassen, Videos oder ganze Kanäle gelöscht, und Inhalte nur einem winzigen Bruchteil der Zuschauer angezeigt werden, weil anscheinend eine sozial gleichgeschaltete Gerechtigkeits-Schickeria mitsamt deren dahinterstehenden Werbetreibenden Angst vor direkter Sprache hat.


Recherchen oder unabhängige Informationsbeschaffung sind vor diesem Hintergrund schwierig. Selbst das Einkaufsverhalten anderswo wird analysiert und zugeschnitten. Sollte Ihre Tochter das sprechende Gerät in Ihrem Haushalt zu oft nach besagtem Einhorn befragen, empfiehlt sich bei Ihrem nächsten Besuch auf Amazon vielleicht doch gleich ein neues Kundenkonto anzulegen.


Kommen wir am Schluss nochmals zum Katalog der brillanten Erfindungen meiner Mutter zurück. Dort gab es einen Artikel, von dem ich unbedingt noch erzählen muss. Ein über die Schuhe stülpbarer Ring aus Stacheln, der bei Eis- und Schneeglätte, laut der Beschreibung, „hohe Stabilität und Sicherheit beim Laufen“ ermöglichen soll. Im Handumdrehen werden aus den Sneakers also Steigeisen. Ich möchte dem Leser dieses Blogartikels jetzt ein Foto meiner zerstörten Sohlen ersparen oder die Krankschreibung meines Orthopäden wegen gezerrten Kreuzbändern. Manche Erfindungen haben ziemlich zerstörerische Nebenwirkungen, und da machen die Algorithmen keine Ausnahme. Es stellt sich die Frage ob ein eigenständiges Entscheiden oder Verhalten heutzutage nicht längst schon Großteils von anderen Dingen gelenkt wird als durch den gesunden Menschenverstand.

Ich freue mich schon auf die Zukunft, wenn wir im Schuhgeschäft statt einer kompetenten Beraterin künftig beim Betreten die ganzen persönlichen Analysen abgefragt werden, und wir dann statt mit Wanderschuhen mit pink-glitzernden Einhorn Sandalen das Geschäft verlassen.

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