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Die Kriterien für ein gutes Fotomodell

Aktualisiert: 5. März



Vorab: der Begriff „Fotomodell“ ist sehr deutungsintensiv. Ich versuche allein mit dem Zusatz „Foto“ besser zu definieren, wovon ich spreche, denn ein „Modell“ ist nicht minder schwierig zu definieren.

Also, dann am besten gleich vornweg, Klartext: in diesem Blogbeitrag spreche ich von Hobby/Amateur-Modellen, nicht von Berufsmodellen. Letztere haben einen ganz anderen, professionellen Bezug zu ihrer Tätigkeit und müssen in den allermeisten Fällen als „lebende Kleiderständer“ fungieren und die Aufgaben des Auftraggebers umsetzen. Das glamourös-luxuriöse Leben von Topmodellen ist den allerwenigsten möglich und die gängigen Vorstellungen rund um die Namen der Größten im Business sind mehr Klischee als reales Tagesgeschäft.


Hinzu kommt: das „Fotoshooten“ im Amateur- und Hobbybereich ist seit einigen Jahren ganz schön aus der Mode gekommen, im wahrsten Sinne des Wortes. Was da heute an Ergebnissen aus diesen „Shootings“ gezeigt wird, hat mit Mode in den meisten Fällen auch nicht mehr viel zu tun. Das gilt auch bei freizügig unbekleideten Themen: die Stringenz einer professionellen Auftragsarbeit ist im Hobbybereich nicht oder so gut wie gar nicht vorhanden.

Genau das führt zu der recht aufwändigen Suche nach einem/einer verlässlichen Mit-Hobbyisten/Hobbyistin. Denn wenn es weniger professionell, sondern „chillig“ zugehen soll, nimmt es der ein- oder andere dann immer wieder nicht mehr ganz so ernst. Unpünktlichkeit, Unmotiviertheit, Absagen und respektloses Verhalten ist dann leider nicht allzu selten.


Mir ist klar, dass ich mit den folgenden Kriterien sehr viel anführe und es so klingen könnte, als wäre es nur mit einem ganzen Katalog an Skills möglich ein gutes Fotomodell zu sein. Das gilt aber nicht grundsätzlich, denn immer wieder sind auch Anfänger allein durch ihr Engagement vielen „Altgedienten“ überlegen. Aber dann sind wir an diesen drei „E“, angelangt, die ich schätze.

Ich gebe daher ambitionierten Hobbyfotografen auf der Suche nach einem Fotomodell immer den Rat auf drei essentielle Qualitäten bei der Auswahl zu achten:


  • Engagement

  • Eigenständigkeit und

  • Eigeninitiative.


Man braucht diese drei Werte nicht einmal näher zu definieren. Sie gehen nämlich in den folgenden Kennzeichen auf:


Fähigkeiten Ein gutes Fotomodell ist in der Lage sich in das Shootingthema hineinzuversetzen, die dazu passenden Outfits zu tragen, oder besser: tragen zu können (und auch zu wollen), und diese typgerecht darzustellen. Eigenständiges Posing und ein passender Ausdruck sind hier der Schlüssel zu guten Ergebnissen. Es gibt kaum etwas langweiligeres als immer der gleiche Gesichtsausdruck oder mangelnde Körperspannung. Richtig kritisch wird es dann, wenn die Schwächen betont und die Stärken hervorgehoben werden, statt andersherum. Zugegeben – das sind schon Qualitäten, die nur erfahrene Modelle mit Körpergefühl und Selbstsicherheit besitzen. Es steht diesen Modellen aber auch frei sich für diese Fähigkeiten einen entsprechend guten und stilsicheren Fotografen zu suchen. Ganz im Sinne eines TFPs.


Überzeugender Klamottenkoffer(inhalt) Es ist eher die Regel als Seltenheit, dass das Fotomodell mit nichts weiter als den Kleidungsstücken zum Shooting erscheint, das es am Leibe trägt. Vielleicht noch ein paar weitere Schuhe, denn mit den geliebten Sneakers fährt es sich ja besser Auto.

Ich denke es ist selbsterklärend, dass daraus nicht viel Ergebnisse entstehen können. Es passiert aber auch das Gegenteil: das Auto ist so vollgestopft mit Kleidung, dass davon aus Zeitmangel keine zehn Prozent getragen werden können. Häufig verbringt man dann mehr Zeit bei der Auswahl als mit Fotografieren – insbesondere, wenn keines der Outfits auch wirklich passt, womit wir wieder bei der Stilsicherheit wären. Lösung: lieber 3-5 gutsitzende, authentische Kombinationen als der 2 Nummern zu großer Hosenanzug der Freundin, den man „halt mal mitgebracht hat, weil man den so feiert“.


Typ- und themengerechtes Styling

Ist die Klamottenauswahl getroffen, kann es passieren, dass das Makeup oder die Haare nicht zum Outfit passen. Ein gutes Fotomodell kennt diese Zusammenhänge und kann sich passend stylen, und zwar ohne, dass es dafür eine professionelle MuA braucht. Jeder Fotograf hat es bestimmt schon mal erlebt, dass das Fotomodell mit Eva Longoria Gedenk-Smokeyeyes zum Shooting erscheint, obwohl der eher natürliche Look geplant war. Um das zu verhindern ist eine klare Kommunikation vorab wichtig. Sich vor dem Shooting noch die Haare von Blond auf rostrot zu färben, gehört definitiv zeitnah kommuniziert.


Apropos Kommunikation, das vielleicht wichtigste Kriterium.


Kommunikation und Ehrlichkeit Mittlerweile behalte ich es mir vor ein Shooting gar nicht oder nicht weiter zu planen, wenn das Fotomodell eine zähe und verschleppte Kommunikation pflegt, insbesondere wenn der Termin des Shootings näher rückt. Es ist einfach eine Frage der Höflichkeit und des Respekts (dazu noch später) im Falle einer Verhinderung, Verspätung oder Unklarheit das Gegenüber zu informieren.

Dazu kommt ehrlich anzusprechen was einem wichtig ist, was man mag oder nicht mag und was man sich vorstellt. Klartext ist vielleicht nicht immer angenehm, erspart aber so manche Enttäuschung. Dazu gehören zum Beispiel auch aktuelle Bilder – ein gutes Fotomodell macht nach 2 Jahren Baby- oder Partnerpause fairerweise nicht mit den veralteten Bildern von sich Werbung oder trägt neuerdings einen Boyfriendcut, der auf keinem der Bilder im Portfolio zu sehen ist.


Abmachungen einhalten Deal ist Deal – ein TfP soll beiden Seiten einen Nutzwert bieten. Hat man sich also vorab geeinigt was entstehen soll, ist es ein Unding beim Shooting es dann wieder in Frage zu stellen. Dazu gehört auch die Dinge mitzubringen, die dafür nötig sind und alles Unnötige zuhause zu lassen. Lange Ballkleider zu einem Bikinishooting sind genauso deplatziert wie ein Ultraweitwinkel für ein Portraitshooting. Ebenso am Tag des Shootings nur noch Portraits machen zu wollen, obwohl man sich im Vorfeld auf Unterwäsche verständigt hat, mit der Begründung gestern einen potentiell neuen Partner kennen gelernt zu haben. Kein Scherz - alles schon mal vorgekommen.


Respekt Auch wenn es selbstverständlich klingt – aber respektloses Verhalten ist nicht gerade selten. Ein gutes Fotomodell erscheint ausgeschlafen und fit zu Shooting. Der „Mädelsabend“ oder die Sauftour mit den Buddies bis um vier in der Nacht vor dem Shooting ist wenig förderlich für gelungene Ergebnisse. Wenn einem statt der Begrüßung erst einmal ungeniert ins Gesicht gegähnt wird oder die Augenringe von den Smokeys nicht mehr unterscheidbar sind, zerstört das die Chemie von Anfang an.

Ein respektvolles Zeitmanagement gehört hier auch dazu – am selben Tag noch zwei weitere Shootings machen zu wollen oder noch zum Shoppen oder besagtem Mädelsabend gehen zu wollen nagt gewaltig am Zeitkonto und erzeugt beim Gegenüber das Gefühl von Prioritätslosigkeit.

Auch das chronische Handydaddeln während des Shootings, mangelndes Interesse am Gegenüber und dem Shooting generell finde ich sehr respektlos.


Feedback und Wertschätzung

Dieser letzte Punkt ist vielleicht eher für mich persönlich eine wünschenswerte Fähigkeit, die ein gutes Fotomodell ausmacht: nach dem Shooting ist vor dem Shooting. Es ist mir wichtig die entstandenen Bilder als Teamwork zu verstehen. Leider geschieht es häufig, dass keine Reaktion erfolgt, die Bilder nirgendwo gezeigt oder nicht einmal ein Dankeschön zu lesen ist. Feedback bedeutet auch, wenn etwas nicht stimmt, das ehrlich zu kommunizieren. Gute Fotomodelle greifen nicht einfach nur Bilder ab, um Stoff für den Feed zu generieren, sondern haben Interesse an Wachstum und Erfahrung. Und genauso wichtig ist es die Arbeit des Fotografen zu kennen und sie wertzuschätzen – Dankbarkeit motiviert.


Vielleicht noch ein Augenzwinkern zum Schluss: wer diesen Blogbeitrag aufmerksam gelesen hat ist bestimmt aufgefallen, dass ich nirgendwo von „gutem Aussehen“ als signifikantes Kriterium für ein fähiges Fotomodell spreche. Denn die attraktiven Looks entstehen erst durch die genannten Punkte – Fotokameras und Charakter lügen nun mal nicht 😉


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Blogeintrag als Video hier:

  

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