Godox AD 200 - die große Liebe?

Aktualisiert: 15. Dez. 2021


Es gab einmal eine Zeit, die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, da blitzte man wie ein Reporter beim Auftritt eines Promis (oder weniger beliebte Tätigkeit Politiker zu fotografieren), mit einem aufgestecktem Systemblitz.

Einfach direkt in das Gesicht blitzen, was den Meisten nicht schadete (was für den ein- oder anderen Politiker jedoch das Gegenteil bewirkte), aber man hatte zumindest ausreichend Licht für das Foto.

Irgendwann kamen clevere Erfinder darauf den Blitz vom Blitzschuh herunter zu nehmen, um sozusagen "entfesselt" von der Kamera aus einem anderen Winkel auf das Motiv zu blitzen. Dazu wurde der Blitz mit einem Auslöser getauscht, einen Empfänger unter den Blitz angebracht, und schon war eine kleine Revolution in der Blitzfotografie geboren.

Dies führte Anfangs jedoch wieder zu den Problemen, die der AD200 nach nunmehr vielen Jahren des entfesselten Blitzens nicht mehr kennt.

AD200 heißt schlichtweg: anschalten, und im Grunde kann man dann schon los legen, ein Auslöser von Godox auf der Kamera voraus gesetzt. Die beiden Geräte koppeln sich automatisch und verstehen sich wie die Liebe auf den ersten Blick.

Zugegebenermaßen, viele Konkurrenzprodukte verlieben sich ähnlich schnell, aber wie das nun mal bei den Pärchen so ist: es darf dann aber auch kein "Anderer" dazwischen funken.


Ich wurde meinen AD200 in all den Jahren nie untreu. Auch bei mir funkte es auf den ersten Auslöser, denn Godox holte mich als seinen neuen Partner von Anfang an ab. Das war früher ganz anders. Ich weiß noch als ich bei meinen ersten Liebeleien mit vermeintlich Zukünftigen mich verbiegen und krumm legen musste (letzteres im wahrsten Sinne des Wortes um das Funksignal zu senden), damit es endlich klappt. Das erste Mal wurde dann fast zu einem traumatisches Erlebnis.

Manchmal hatte man dann einen regelrechten Turmbau zu Babel aus Auslösern und Empfängern, um ein 3-Punkt-Lichtsetup zu ermöglichen, und auch hier war einer aus dem Dreier wieder nicht dazu zu bewegen zu blitzen. Manchem ging dann mittendrin schnell die Puste aus, kurzum: entfesselt Blitzen war nichts für schwache Nerven.


Damit ist wahrscheinlich klar, weshalb ich heute noch mit Godox verheiratet bin. Auch heute schwärme ich noch von meiner "schlanken Lady", denn sie hat einfach unwiderstehliche Eigenschaften:


- lange Akkulaufzeit selbst bei schnellen Blitzfolgen

- viel Power mit 200Ws, für die meisten fotografischen Aufgaben ausreichend

- schlanke und griffige Maße, ein Leichtgewicht und immer (er-)tragbar

- ein Bulb-Head, der fast jeden Blitzformer mit 180° Licht bedient und auch der klassische, gerichtete Blitzkopf (der von den Aufsteckblitzen) ist zum Wechseln im Set dabei, letzterer hat sogar ein LED-Einstellicht

- HSS bis t=1/8000

- bis zu 30 Kanäle, sollte jemand dazwischenfunken.


A propos dazwischenfunken: die Lady hat es nicht so gern wenn man mit einem zweiten Funkauslöser fremd geht, oder gar die Kamera wechselt. Ganz makellos ist der AD200 nicht, zumal sie dann ganz schnell nicht mehr reden will. Sprich - alle Signale aus dem Auslöser kommen nicht mehr an. Auch Neustarts helfen da nicht. Wärme ist auch nichts was gut vertragen wird, insbesondere wenn das Herz schlapp macht, spricht der Akku überwärmt.

Ich bin, wie gesagt, nach wie vor begeistert über die Performance, aber der AD200 kann zur Diva werden, wenn man einige Parameter nicht beachtet.

Dann möchte sie "einfach nach Hause".


Man mag dem Blitz nachsagen dass, mangels Bowens-Bayonett, wenig Lichtformer passen, dies lässt sich mit etwas Shopping von schicken Accessoires lösen, und schon strahlt sie wieder. Ich empfehle hierzu den Bowens-Adapter für Aufsteckblitze, erhältlich bei einem bekannten Online-Anbieter, der nach einem wilden Damenvolk benannt ist.


Man soll ja nicht oberflächlich von seinem Schatz reden, aber ich finde die Ergebnisse sind zeigenswert.




Ich werde häufig gefragt ob man nicht auf den AD300pro upgraden soll, das würde ich höchstens empfehlen wenn die Wattpower bei den meisten Shootings nicht ausreicht. Ich fotografiere seit Jahren gegen, mit und seitlicher Sonne und habe bislang noch nicht einmal ans Fremdgehen mit einer ihrer üppigeren Schwestern nachgedacht.


Klare Kaufempfehlung, allein der stabile Preis bei viel Konkurrenz, zeugt von Beliebtheit.

Wer steht denn nicht auch auf das kleine Schwarze?

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