Haarsträubende Fotokameras.


Bei uns in der Stadt gibt es einen Friseursalon mit dem Namen „Kamm in“. Der braucht erstmal eine Weile. Gerade Friseure scheinen eine Hand für ausgefeilte Wortspiele zu haben. „Hairmonie“ ist dabei eines der Highlights. Oder „Hairforce One“. Es muss ein ehemaliger Friseur gewesen sein, der sich bei Panasonic einen weiteren Höhepunkt der sprachlichen Verschlimmbesserung einfallen lassen hat: „Lumix“. Ein Logo, das zu meinem Bedauern oben auf meiner S5 prominent bedeutungslos verbleibt. Ich habe mir ernsthaft schon überlegt es zu überkleben. Dabei gibt es in der Welt der Fotokameras und deren Zubehör noch viel mehr dieser verbalen Unergründlichkeiten. Olympus zum Beispiel inspirierte sich wohl von einer mathematischen Formelsammlung als sie die hochkomplexe Bezeichnung „OM-D EM10 M2“ für eines ihrer MFT Kameras erfanden. Nikon nennt sein neues Bajonett das „Z“. Kurz, prägnant, bleibt aber jegliche Erklärung schuldig. Eventuell macht das Objektiv eine Art „Z“ischendes Geräusch beim Anbringen auf das Bajonett? Man bekommt jedenfalls den Eindruck die Hersteller versuchen mit abgefahrenen Bezeichnungen etwas zumindest sprachlich zu verbessern, was technisch nicht mehr steigerbar ist. Zugegebenermaßen steht der Begriff „Lumix“ schon einige Jahre auf den Modellreihen der Panasonic Kameras und muss somit nicht mehr das neueste „must-have“ betiteln, aber vielleicht ist es genau das was mir seit besagten Jahren auffällt: statt Innovationen verkaufen die Hersteller lieber Markennamen. Statt genialen Erfindungen, die das Fotografenleben wirklich verbessern, bekommen wir „X“ und „Z“ auf die Kameras gedruckt, anscheinend das „Hairoin“ der Marketingstrategen. Gut, man muss fair bleiben. Das Rad lässt sich in der Fotografie wohl nicht mehr neu erfinden. Ein gutes Foto lässt sich auch noch mit Kameras machen, die vor der Zeit von delphischen Begriffen gebaut wurden. Es zählt das, was besagte Kamera in der Hand hält, Licht, Komposition und Motiv und ein wenig Glück, damit alles zusammenpasst. Die „Haarmonie“ zwischen Fotograf und Kamera zählt. Die meisten Hersteller sind aber mittlerweile Großkonzerne, und um deren Aktionäre bei Laune zu halten, werden dann eben die Features der Kameras verbessert, um den Umsatz weiterhin zu garantieren. Es ist selbsterklärend, dass ein „Xceed“ Prozessor in der Kamera kein Garant für gute Fotos ist, genauso wenig wie der Salon „Haarley“ die Alopezie eines Bikers verbessern kann. Da hilft denn nur noch der Helm, um den kreisrunden Haarausfall zu verdecken, eine Solche wäre auch für meine Panasonic S5 wünschenswert, zumindest für das „Lumix“ – Logo. Da haben wir es wieder, das „x“. Eines der Buchstaben, die zu Unrecht für die technischen Superlative herhalten müssen, die in den heutigen Gerätschaften verbaut werden. Manche dieser Dinge sind zum Beispiel eher kontraproduktiv. So bekam ich letztes Jahr die Gelegenheit mit einem der Megapixel-Boliden aus dem Hause Sony zu fotografieren. Das größte Kaufargument wurde dann bei der Hautretusche zum größten Ärgernis, denn wenn jeder Pickel plötzlich höher aufgelöst dargestellt wird als mein Auge es ertragen kann, ist man geneigt, um „Hairesbreite“ viel abzuschneiden. Vom Bild. Ja, der brauchte jetzt auch eine Weile.


Kommen wir nochmals zu meiner Panasonic S5 zurück. Sie steht im Grunde als topaktuelle Kamera sinnbildlich für das ganze Thema: eine hervorragende Fotokamera, mit der ich gerne Bilder schieße, mehr jedoch nicht. Weil mehr geht nicht. Zwei Drittel der Funktionen nutze ich nicht oder wenig. Ein Foto entsteht vornehmlich durch die Wahl von Blende, Zeit und der Brennweite. Die Kamera macht keine anderen Fotos wie meine Vorgängerin, die Fujifilm X-T3. Und nein, ich habe die Fuji nicht wegen dem „X“ weggegeben, sondern weil mir Panasonic mit der S5 den Zugang zu den wirklich begehrenswerten Sigma-Objektiven ermöglichte und mir die Haptik einfach besser lag.

Das sind die wirklich wichtigen Entscheidungsgründe beim Kamerakauf, fernab von „cutastrophalen“ Begriffen für technische Raffinessen. Das „Hairzstück“ meiner Kamera, ist für mich nach wie vor die Bedienung und nicht der Sensor.


Und bevor einige jetzt meinen ich würde ständig meine Panasonic S5 tadeln, im Gegenteil. Es ist eines der besten Kameras, die ich je im Einsatz hatte. Sie ist durchdacht und für einen praxisorientierten Fotografen gemacht, der intuitiv an seine Fotos herangeht. Fotografie ist für mich vornehmlich „Kopfsache“.

Das wäre doch mal ein toller Name für einen Friseursalon.

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