Fujifilm X-H1, der griffige Dinosaurier



Als ich das Titelbild aufgenommen habe (ich nutzte dazu ein Telefon mit Fotofunktion) fiel mir auf wie schlecht die Bildqualität dieses Influencer-Spaßmachers sein kann. Lassen wir es mal sacken, dass auf Instagram, also der Influencer-Firmenzentrale, seit dessen Bestehen 40 Milliarden (!) Bilder geteilt wurden, und davon schätzungsweise 70-80% der Bilder aus den Telefonen mit Fotofunktionen kommen. Wir haben es also mit verdammt vielen Fotos mit ähnlich oder noch viel schlechterer Qualität zu tun, als die des Blogeintrag-Titelbildes.

Irgendwie gibt das einem zu denken wenn man solch eine Kamera wie die Fujifilm X-H1 in der Hand hat. Sie ist, insbesondere mit aufgeschraubten Batteriegriff, ein Dinosaurier, wenn auch jüngeren Alters aus dem Jahre 2018. Also nicht ganz aus dem erdmittelalterlichen, oberen Trias. Trotzdem haptisch ein Triceratops. Wobei ich behaupten würde, ein Triceratops fühlt sich höchstwahrscheinlich weniger angenehm an.

Zur X-H1 kam ich im Grunde wie die Jungfrau zum Kind. Sie kam mir bei meinen häufigen Kamera-Parnerwechseln erstmal nicht in's Haus, zumal der Auslöser bei Kameratests als besonders empfindlich beschrieben wurde, etwas, mit dem ich so mal gar nicht kann. Beim Speeddating würde das zu einem unverzüglichen Wechsel zur Nächsten führen. Doch auf Grund von Heiratszwang musste ich mich wohl oder übel mit dem mächtigen Landwirbeltier auseinander setzen. Und ich wurde überrascht. Sehr überrascht. Nach nunmehr 2 Jahren intensiven Kennenlernens würde ich die Kamera als die wohl beste Fuji bezeichnen, die bislang durch das Kapitalozän gestampft ist. Was ich ganz besonders an ihr schätze:


- ein hocheffektiver Bildstabi

- Kombinationen wie mit dem 50mm f2 machen die Kamera zum Orgasmus für Bildqualitätsfetischisten

- ultimative Kombination aus Gewicht und Haptik (insbesondere mit dem Batteriegriff)

- Schulterdisplay, ein Relikt aus ähnlich vorsinntflutlicher Zeit, aber unheimlich praktisch

- der vielleicht beste EVF, durch den ich je schauen durfte

- Fujis "Retro" - Bedienung, die haben die anderen Dinos des Konzerns zwar auch, aber hier machen sie auch wirklich größtenteils Sinn.


Gut, auch das schwarze Ungetüm ist nicht fehlerfrei. So fallen ein träger AF, der besagte hypersensible Auslöser und langsame Bildfolge in's Gewicht. Ebenfalls muss man mit der Fuji-typischen Würmchenbildung zurecht kommen. Sinnbildlich gesprochen ist eine T-3 eine Dreikampf-Athletin, die H-1 hingegen eher so das Kaliber der Gewichtheber oder Hammerwerfer. Beeindruckend in der Leistung, optisch aber eher gewöhnungsbedürftig.


Trotzdem, ich kann es mir einbilden, aber ich habe das Gefühl die H1 macht bessere Bilder als meine verflossene T-3, und zwar immer. Das kann vor allem daran liegen, dass ich den mächtigen Nackenschild der Kamera lieber in der Hand halte, als die Klauen des T-3 Raptors. Man sagt nicht umsonst, das man mit der haptisch besten Kamera auch die besten Bilder macht.


Vor diesem Hintergrund wird es mir ein ewiges Rätsel blieben wir man mit einem Telefon mit Fotofunktion klar kommen kann. Das ist ja so als würde man auf einem Flugsaurier zu reiten versuchen.

Hier noch ein wenig Motivation sich die H1 zuzulegen, gebraucht ein Geheimtipp, und der vielleicht beste Einstieg in das Fuji-System (wenn man keine Sportfotos machen möchte und damit klar kommt, dass die Ei-Fon-Influencer uns H-1 Fotografen wohl eher als Dino-Jockey betrachten).



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